Nationalität

In unserem Grundgesetz Art. 3 ist verankert, dass jeder Mensch gleich ist. So darf niemand „wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden."

Nach dem christlichen Menschenbild hat Gott jeden Menschen nach seinem Bild geschaffen und so jedem Menschen auf der Welt eine unantastbare Würde verliehen, die es keinem anderen Menschen erlaubt, sein Leben zu verletzen. Die Würde des Menschen ist nicht verhandelbar! Es gibt deshalb keine mehr oder weniger wertvollen Menschen. Diese Grundeinsicht des christlichen Glaubens floss in Artikel 3 unseres Grundgesetzes ein.

In Deutschland, wie auch in vielen anderen Ländern, gibt es jedoch Menschen mit einer Weltanschauung, in der andere Menschen „mehr Wert" oder „weniger Wert" sind. In der Wissenschaft spricht man von der Ideologie der Ungleichwertigkeit. Das funktioniert so: Menschen werden nicht als Individuen mit eigenen Verhaltensweisen anerkannt, sondern sie werden anhand eines tatsächlichen oder vermeintlichen Merkmals einer bestimmten Gruppe zugeordnet. Und dieser Gruppe werden dann bestimmte Charakteristiken zugeordnet. Ein Beispiel: „Hamad ist Flüchtling. Alle Flüchtlinge sind faul und wollen nicht arbeiten. Also ist Hamad faul und will nicht arbeiten." Also, egal wie sich Hamad verhält, was seine Biografie auszeichnet, welche Kenntnisse, welchen beruflichen Hintergrund er hat und ob er tatsächlich arbeitet, Hamad bleibt in den Augen dieser Menschen „der faule Flüchtling, der nicht arbeiten will".

Gruppen werden gebildet und abgewertet mit dem Ziel, sich bzw. seine eigene Gruppe aufzuwerten: „Die Flüchtlinge sind alle faul und wir Deutschen sind alle fleißig." Dies wird vor allem durch den Rechtspopulismus instrumentalisiert. Ferner werden Angstszenarien auf Basis von Vorurteilen aufgebaut, die vorgeben, wer „zum Volk gehört" (nämlich die Guten) und „wer nicht zum Volk gehört" (nämlich die Bösen). Es wird also nicht nur öffentlich inszeniert, dass alle Flüchtlinge zu faul zum Arbeiten sind, sondern es wird ein unmissverständliches Bild vorgegeben, in dem die Flüchtlinge mit diesem (vermeintlichen) Verhalten unseren Sozialstaat ruinieren würden

Bezeichnend dabei ist, dass Menschen, die Vorurteile gegenüber einer Gruppe haben, sehr wahrscheinlich auch Vorurteile gegenüber einer anderen Gruppe haben. So hat ein Mensch mit antisemitischem Einstellungsmuster oft auch Vorbehalte bspw. gegenüber Langzeitarbeitslosen, Homosexuellen oder Sinti und Roma.

Laut aktuellen Untersuchungen der Mitte-Studien der Universität Leipzig im Juni 2016 hat die Abwertung von MuslimInnen, Sinti und Roma sowie Asylsuchenden noch einmal deutlich zugenommen:

Jeder zweite Befragte gab an, „sich wie ein Fremder im eigenen Land zu fühlen", über 40% wollen MuslimInnen die Zuwanderung untersagen.

57,8% haben ein Problem damit, wenn Sinti und Roma in ihrer Nähe wohnen, ungefähr der gleiche Anteil glaubt, dass Sinti und Roma zu Kriminalität neigen.

Fast 60% der Befragten sind der Meinung, dass die Mehrzahl der AsylbewerberInnen nicht wirklich verfolgt wird.

Doch was dagegen tun? Wichtig ist es, das Gespräch zu den Menschen zu suchen, die zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit neigen. Es darf nicht jeder gleich in die „rechte Ecke" gestellt werden, der andere Menschen abwertet. Man sollte versuchen, die Beweggründe für solche Aussagen zu verstehen. Oftmals sind Angst vor dem Unbekannten, Abstiegsängste und allgemeine Verunsicherung Gründe dafür, bestimmte Gruppen abzuwerten. Nichtsdestotrotz widerspricht dieses Verhalten unserer demokratischen Grundordnung und darf nicht toleriert oder ignoriert werden.

Jeder Mensch hat seine eigene Würde, seine individuelle Verhaltensweisen, seine eigene Biografie und spezielle persönliche Eigenschaften. Deshalb darf er nicht anhand von Vorurteilen, Verallgemeinerungen und Zuschreibungen bewertet werden!

Quelle:

www.uni-leipzig.de/pressedaten/dokumente/dok_20160615154026_34260c0426.pdf